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2020-07-23

Der Werwolf (Hörspiel Rezi)

Gruselkabinett Folge 20 nach der Geschichte von Alexandre Dumas

Lange ist es her, als ich dies Hörspiel das erste Mal in den Player legte. Dennoch gehört es nach wie vor für mich zu den Großtaten des Gruselkabinetts. Die Umsetzung der Geschichte von Alexandre Dumas ist wirklich gut in ein Hörspiel adaptiert worden.

Es beginnt im Jahre 1779 in Frankreich, als der mit seinem Leben unzufriedene Holzschuhmacher Thibaut eine schicksalhafte Begegnung mit einem Werwolf hat, der ihm ein Angebot macht, was der junge, mit seiner Existenz hadernde Mann nicht ablehnen kann. Und so beginnt für ihn eine Reise, die seinen Charakter Stück für Stück auf die Probe stellt, in der Glück und Unglück immer dicht beieinander liegen und unabdingbar mit durch Neid zerfressener Ethik bestimmt werden.

Dumas hat hier sehr deutlich die Ideale der Aufklärung einfließen lassen, jene Gedanken, die zur französischen Revolution geführt haben. Das Hadern Thibauts mit der gesellschaftlichen Ordnung und der Ungerechtigkeit der Lebensbedingungen sind für uns heute absolut nachvollziehbar. Doch Dumas geht in seiner Geschichte noch weiter. Thibaut wird so sehr von seinem Neid und seiner Geltungssucht getrieben, dass er jene genannten Ideale ad absurdum führt. Er wird mehr und mehr zu dem, was er eigentlich verachtet. Damit wird die Geschichte zu einem moralischen Lehrstück darüber, ob wir tatsächlich die höheren Klassen der Gerechtigkeit wegen verachten oder nicht etwa deshalb, weil sie so leben und sein können wie wir es für uns selbst gerne hätten.

Demut ist ein zentrales Element der Geschichte, und nicht zuletzt scheitert unser etwas unsympathischer Held immer wieder an ihr. Man könnte zunächst vielleicht meinen, Dumas möchte uns sagen, wir sollen doch einfach unseren Platz in der natürlichen Ordnung kennen und uns unserem Schicksal fügen anstatt gegen die herrschende Klasse mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufzubegehren. Ich persönlich denke, Dumas wollte hier einfach eine andere Perspektive zeigen, eine, die uns daran erinnert, dass wir unser Glück selbst in der Hand haben und es weit besser formen können als mit Neid und Missgunst, als mit denselben Mitteln, wie jene, die wir vorgeben zu verachten.

Diese moralischen Fragen, die unsere Werwolf-Geschichte hier aufwirft, werden auch abschließend nicht so leicht zu beantworten sein. Eben deshalb aber haben wir, so meine ich, eine herausragende Gruselkabinett-Folge vor uns, weil Titania es wunderbar geschafft hat, all dies im Hörspiel unterzubringen. Das mag jene verwundern, die Werwölfe nur aus Filmen von Ende der 70er oder den 80er Jahren kennen. Die früheren Vorstellungen von Werwölfen sahen erheblich anders aus, was uns dieses Werk sehr verdeutlicht. Hier geht es stark um die Auseinandersetzung des Menschen mit seinen dunklen Trieben, der Werwolf somit eher in seiner menschlichen Tragik ein Monster denn als reißende Bestie.

Titania hat ein herausragendes Drehbuch abgeliefert, die Dramaturgie der Geschichte exzellent herausgearbeitet und so wie immer eine hervorragende Geräuschkulisse mit stimmiger Musik geschaffen. Auch die Sprecher begeistern in ihren Rollen und hauchen ihnen echtes Leben ein. Allen voran unser unsympathischer Held, den man zwar nicht bemitleiden kann, aber dennoch Anteil an seinem Schicksal nimmt, hoffend und mitfiebernd, dass er sich besinnen möge und sein doch eigentlich gutes Herz wiederfinde.

© Sascha Besier

Gruselkabinett Folge 20: Der Werwolf (von Titania Medien)

Admin - 20:26:56 @ Rezensionen | Kommentar hinzufügen