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Poesie von Sascha Besier

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2019-11-15

Xanadu

Lange und beschwerlich waren meine Wege,
brachten mich in Wüsten von Basalt und Sand;
doch es winkten auch manch goldner Wälder Stege
meinem ruhelosen Geist, der mich sehr rege
suchen ließ nach dem verheißungsvollen Land.
 
Seine Äcker schmecken süß nach prallem Leben
und auch seine Flüsse sollen – wie es heißt –
ihren Freudenquell in alle Menschen geben.
Seine Gipfel, die sich weiß gekrönt erheben,
sind die Seele, das Skelett und guter Geist.
 
Xanadu –
so gnadenvoll erklingen deine Lieder,
deren Spur bis in das Herz des Pilgrims führt,
wo es eine Sehnsucht unheilbar berührt.
Erst in deinen Armen findet es den Frieden wieder.
 
Einst, die Suche währte nun schon viele Jahre,
fand ich wilde Gärten, deren reiche Pracht
mich frohlocken ließ, und deren Wasser klare,
milde Bäche war’n. Hier spielte die Fanfare
jeden Tag zum Gruß – doch wurde es nie Nacht.
 
Sorglos nahm ich mir die Früchte, trank die Weine,
wähnte mich in deinem Glück. Da hörte ich,
wie durch taube Sinne: „Ist es nur die kleine,
liederliche Freude dieser blassen Haine,
die du suchst, wo Stumpfsinn aller Weisheit wich?“
 
Xanadu –
Verirrten sendest du durch deine Lieder
eine Weisung, die sie ohne Sterne führt
und die stachelgleich an ihren Schwächen rührt.
Weiter zieht der Pilgrim, findet seine Suche wieder.
 
Danach kam ich in ein Reich verfaulter Erde,
wo sich Seuche in die Träume faulig sprach,
und die Hoffnung auf dem Rücken schwarzer Pferde
in verstorbne Himmel ritt. Von dieser Herde
wüst zertrampelt lagen Leib und Seele brach.
 
Dunkel webte Tod aus Eis mir einen Schleier,
dennoch konnte ich nicht sterben, sondern sah
all das Weltenelend wie zur Leichenfeier.
Aus den Gräbern klang verknöchert eine Leier,
knarzig fragend, ob ich nicht mal Pilgrim war.
 
Xanadu –
selbst längst Verlorne fragst du durch die Lieder,
was sie denn an Abgründen verführt,
welche Lust sie dabei züngelnd, feucht berührt.
Prüfung ist’s, die Kraft! Und nur Poeten wandern wieder!
 
Lange und beschwerlich waren meine Wege,
brachten mich in Wüsten von Basalt und Sand;
doch es winkten auch manch goldner Wälder Stege
meinem ruhelosen Geist, der mich sehr rege
suchen ließ nach dem verheißungsvollen Land.
 
Seine Äcker schmecken süß nach prallem Leben
und auch seine Flüsse sollen – wie es heißt –
ihren Freudenquell in alle Menschen geben.
Seine Gipfel, die sich weiß gekrönt erheben,
sind die Seele, das Skelett und guter Geist.
 
Xanadu –
von weißen Gipfeln sing ich deine Lieder,
die mich gnadenvoll zu dir und mir geführt –
im Entschlafen hat der Friede mich berührt.
Hoffentlich hallt unsre Stimme in den Menschen wider.
 
© Sascha Besier

Admin - 18:03:47 @ Gedichte | Kommentar hinzufügen