Rabenwind
Poesie von Sascha Besier

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2019-11-15

Rabenstein

Meines Sternes lichte Runden bahnten in die Abendstunden,
alle Sehnsucht schloss die Lider, grau schlief meine Liebe ein.
Nichts und niemand kann behalten, was sich Schicksals Klauen krallten; –
doch auf einmal Lichter wallten rundherum in hellem Schein.
Vor mir lag, vom Stern gefallen, in dem hellen Lichterschein –
 
schwarz und glatt – ein fremder Stein.
 
Tief in meine Lebensschwere sank die Wärme seiner Sphäre,
stellte bloß, was ich begehre, so auch meine bittre Pein.
Durch geheime Energien schlich sich dieses dunkle Ziehen
zielbewusst in meine frühen Träume und Begierden ein.
In die letzte Kammer meiner Seele schloss sich’s drohend ein,
 
und es lag dort – wie ein Stein.
 
Auch wenn ich noch nicht recht wusste, welch’ geheime und illustre
Kraft da nun im Herzen fußte, ließ sie mich der Welt verzeihn;
Abendämmrung ließ mich bange frösteln – ja, es war schon lange
her, dass mit Dir Wang’ an Wange ich getanzt in unsrem Hain.
„Oh, du wundervolles Leben, schick’ den Tanz mit ihr zum Hain.“
 
Just ein Glühn! – Es war der Stein.
 
„Ist dies mir Signal der Götter“, sprach ich, „oder nur ein Spötter
der Dämonenriege, der sich vorstellt als mein Bruder Kain?“
Kommst du zu mir als Mirakel, oder kleidet dich der Makel,
als ein unheilvoll’ Orakel mir das End’ zu prophezei’n?
Lasse ich dich in mich, zieht dann eine Nemesis mit ein?“
 
Ich ergriff ihn! – Nur ein Stein.
 
Er verschwand in meiner Tasche. – „Sicher war dies eine Masche,
eine Täuschung meiner Sinne, meines Innern letztes Schrei’n –
wohl aus Angst vorm Untergehen. Aber nichts wird es verstehen,
meines Sternes Bahn zu drehen“, dacht’ ich laut. „Ja, gar nichts – nein!“
Zweifelnd ob der warmen Aura, wo er ruhte, rief ich: „Nein –
 
bist nichts weiter als ein Stein!“
 
Doch von nun an ward mein Leben neu von Morgenlicht umgeben;
vormals dunkle und befleckte Stunden strahlten itzo rein.
In mir wieder Lieb’ erwachte – rotbeflügelt sie vollbrachte,
dass die Sehnsucht wieder lachte; – du warst endlich wieder mein.
Ohne dich war mein Begleiter Trübsinn; schlimmer noch – denn mein
 
Herz glich einem – diesem Stein.
 
Der Gedanke sich jetzt regte, ob nicht jenes Ding bewegte,
welche Bahn mein Stern erreichte. – Konnte dies denn wirklich sein?
Ist’s denn nicht durch ihn erschienen und drang dabei tief nach Innen,
fordert mich mit allen Sinnen wie ein geistesvoller Wein?
Ist’s Symbol für Traum und Bangen, schwarz gleich geistesvollem Wein?
 
„Nun, so heiß ich’s: Rabenstein!“
 
Dies gesagt erschien ein Funkeln wie ein Irrlicht aus dem Dunkeln
in des Minerales Mitte, sagte mir: „Ich bin jetzt dein!“
Und da tratst du aus Gedanken, wo sich sonst nur Träume ranken,
überschrittest alle Schranken meiner Wirklichkeit ins Sein; –
Alptraumgrenzen überschreitend tratest du zurück ins Sein –
 
durch die Macht von Rabenstein.
 
Ich begann nun zu erkennen, keine Barrieren trennen
mehr die Welten; – nicht ein Geist nur, sondern wirklich wieder mein.
„Ach mein Liebchen, komm und küss mich!“ hauchte ich es gar genüsslich.
„All die Jahre warn verdrießlich, selbst in Freude so allein; –
mit der Liebe kamst du wieder und ich bin nicht mehr allein,
 
dank der Macht von Rabenstein.
 
’s gibt nichts mehr, was ich verlange, wo wir wieder Wang’ an Wange
zu dem Walzertakt des Kosmos tanzen, hier in unsrem Hain.
Sag nichts, Liebchen, lass dich führen und dich endlich wieder spüren,
will dich niemals mehr verlieren; – doch du schaust so düster drein?
Warum sagst du nichts? Du fühlst dich kalt an, blickst so seltsam drein –
 
dunkel wie der Rabenstein.“
 
Frost umgab mich und belegte meine Sinne, denn nichts regte
sich in diesen starren Augen; – in mir wurden Welten klein.
Finstre Ironie umtoste mich, verschlang, was mir zum Troste
blieb, als ihre so erboste Stimme mahnte, hart und fein –
Ja, ihr schweres Mahnen traf mich hart, jedoch subtil und fein:
 
„Spiele nicht mit Rabenstein!“
 
Aufgewühlt in wildem Grauen, sah ich mich sie niederhauen;
Hände würgten ihre Kehle, wuschen mein Gewissen rein.
Immer, immer wieder pochte, pochte ich, bis mein Blut kochte,
ihren Kopf zu Boden, mochte sie auch noch so schrei’n.
Rhythmisch dumpfe Schläge tönten, doch sie schwieg und wollt’ nicht schrei’n.
 
„Ich – ja, ich bin Rabenstein!“
 
Meines Sternes Abendstunden haben ihre Nacht gefunden;
Ewigkeit bedeutet Schicksal, findet mich und dringt hinein.
Ob du da warst an den Tagen, will und kann ich nicht mehr sagen. –
Eins jedoch lässt mich verzagen, ’s ist die Ruhstatt vom Gebein; –
glimmend quält mich der Gedanke, liegt doch heut’ noch dein Gebein
 
friedlich unterm Rabenstein.
 
© Sascha Besier
 
(Edgar Allan Poe und andern Dingen gewidmet)
 

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