Rabenwind
Poesie von Sascha Besier

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2019-11-15

Phönix

Wie die Feder leicht im Wind
gleite ich dahin geschwind;
bin ein Herr der Lüfte, der die Freiheitsdüfte sanft verwebet.
Und vergessen sind der Schwermut Klänge,
wenn sich dort, mit viel Gedränge,
meine zarte Seele zu der Engel Horizont erhebet.
 
Voll des Lebens buntem Mut,
zieht hinfort mich seine Glut,
die uns Kräfte brachte und oft lächeln machte – aber ohne
dass uns der Verstand je lässt erahnen,
in welch schwerelosen Bahnen,
sie den Weg für uns bereitet zu dem herrlich’ Himmelsthrone.
 
Also fliege ich gen Süd –
meine Flügel nimmermüd’;
schwing mich auf mit Wonne, wo der Lauf der Sonne sich auf schiere
Götterart im Glitzerspiel verbindet,
wo der Narren Blick erblindet –
jedoch meiner nie, weil’s eigen Selbst ich keinesfalls verliere.
 
Rück zu einem Orte vor,
der mit güldnem Königstor
diesen frommen, zagen Hain beschützt vor Plagen und dem Stahle,
welche ewig Ihm, durch Höllgestalten
und durch dunkle Sturmgewalten,
mit Vernichtung droh’n sowie mit derer von des Lebens Grale
 
Erst am Ende aller Zeit,
führet meines Wegs Geleit
hin zu jenem Garten, wo die Alten warten – ja, sie werden.
Jene Pforte öffnet nur mein Herzen,
dessen glorreich reine Schmerzen
alles wird verschmelzen, was die Übel teilten hier auf Erden.
 
Dies ist meines Schicksals Ziel
und die Rolle in dem Spiel,
das die Mutter Leben, mir gedacht zu geben; und dem Munde
Vater Tods entfuhr beseelte Weise –
welche frostig klang, wie Eise –,
mir gebietend: „Sei die Flamme, Zeichen dies unsterblich’ Bunde!“
 
So ich meine Flamme zünd’
und die Welten neu verbünd’.
Sie brennt alles nieder, doch wird darauf wieder neues Leben
hier entstehen, das gleich mir gestorben,
weil es alt war und verdorben,
und wie ich, der Phönix, dort sich aus der Asche neu erheben.
 
© Sascha Besier

Admin - 17:42:17 @ Gedichte | Kommentar hinzufügen